Fressen und vergessen werden

Guten Morgen.

Heute morgen durfte ich Zeuge einer normalen, aber gerade deswegen denkwürdigen Szene sein. Für die, die es nicht sehen konnten (..tun mir leid) und für die, die sich sowieso nicht über so etwas freuen können (..tun mir noch mehr leid):Ein Dompfaff [Gimpel], also ein kleiner Fink hat die Sonnenblumenkerne auf unserem Terassentisch aufgepickt. Zum Entfernen der Schale entfernte er sich immer vom Fressplatz.
Vielleicht tat er es aus Ordungsgründen, wahrscheinlicher um die Situation besser zu überblicken und eventuell spielt sogar der Gedanke eine Rolle, dass Feinde ja am ehesten beim gemeinsamen Futterplatz anzutreffen sind. Das wollte er sicher nicht (sein).
Wollte er denn andauernd Kraft zum Weghüpfen ver(sch)wenden? War es also sein bewusster Wille? Oder dürfen wir Menschen uns an dieser Stelle wieder einmal selbst distanzieren und auf sein tier-typisches, den Trieben ergebene, instinktive Verhalten verweisen? Ich weiß nicht. Was mir aber dabei eigentlich und als erstes durch den Kopf flitze:

Ich sehe immer nur die knallroten, unter Tieren oft hübscheren oder zumindest aufwändiger gestylten Geschlechter.  Das sind die Männer. Klar, dieser signalfarbende Piepmatz wiegt nicht mal 30 Gramm aber wird natürlich „Mann“ genannt. Falsch, ich bin doch nicht umsonst 3000mal schwerer als dieser Knirps: man nennt ihn Männchen. So ich langweile mich gerade selber, dabei wollte ich eigentlich auf das Thema der Themen hinaus: Warum frisst er den ganzen Tag und wird nicht fetter, aber die pummeligen Weibchen sieht man viel seltener beim Essen?

Ernsthaft glaube ich, dass letztere zwar größer sind, aber eben auch unauffälliger gefärbt (Schwarz und hauptsächlich ein selten unscheinbares Grau) und man [als Mensch] sie deshalb viel seltener wahrnimmt bzw. sich an sie erinnert oder über sie freut.
Nein, ehrlich gesagt kam bei mir nur urplötzlich die Frage auf: Lässt er den Weibchen nicht den Vorrang, wie es sich bei uns menschlichen Bürgern des British Empire ziemt? Wie sieht es aus mit dem geschlechtlichem Verhalten dieser Machos?

Immerhin wird diesen Wesen eine lebenslange Partnerschaft nachgesagt. Die haben offensichtlich weniger Kommunikations- und Geldprobleme als Leute unserer Ehen. Wie man das nachweisen will, bleibt mir ein Rätsel, aber laut Schweizer Vogelwarte ist diese Treue im Winter bei anderen Kleinvögeln recht unüblich.
Sie halten es übrigens ähnlich wie ich mit der Nahrung: Wenn es nach Ihnen geht, steht nur vegetarische Kost auf dem Speiseplan; Spinnen etc. werden nur gegessen, wenn Sie gerade auf dem Teller sind. Fleisch hat demnach mal wieder keine essentielle Wichtigkeit für die Vitalität oder Existenz allgemein.

Aber mich lässt das Ausleben geschlechtstypischer Merkmale ja nicht los [demnächst also ein Artikel über die geschlechtgebunden Standards und Vorurteile]. Daher hier nochmal der Hinweis auf die Parallelität zur menschlichen Paarbildung:

Die Männchen tun alles erdenkliche und bringen sich andauernd in Stress und Anspannung (siehe Hirschbrunft), um die Gunst der Weibchen zu erlangen. [Was würde ich nicht gerne alles tun, wenn mir das Wohlwollen und vielleicht auch die Anerkennung gewisser Mädchen/Frauen versichert wäre..] Die Weibchen hingegen tun nichts besonderes, sondern sind einfach von Natur aus toll und unglaublich anziehend. Kenn ich.

Achso und zum Thema „Liebe geht durch den Magen“ nochmal zum Schluss ein kurzer Vorgriff auf einen von mir geplanten Aufsatz über die PhysioLogische Verwendung jeglicher Lebensmittel unter besonderer Berücksichtigung der Nährstoff-Verwertung:
Bei mir selbst habe ich die Erfahrung gemacht, zeitweise nur von Luft und Liebe zu leben und in anderen (sowieso bedauerlichen) Momenten den ganzen Tag nur essen kann, aber nichts anderes – jedenfalls ohne fett zu werden.
Meine Erklärung für dieses Phänomen sowie den Vorwurf vieler Mädchen, dass Jungs allgemein viel mehr essen können:
Der Körper nimmt nur die Inhaltsstoffe auf, die wir bewusst konsumieren. Es schmecken uns nicht nur manche Gerichte ohne das Wissen um die Zutaten besser (oder überhaupt), sondern die genussvolle Konzentration einer Speise stimuliert den Körper erst zur gesteigerten (!) Umsetzung bestimmter Stoffe. Die Wirkung wird zumindest um ein vielfaches gesteigert.

Ich kann ein Wochenende lang woanders leben und ganz nebenbei viele fetthaltige Süßwaren vernichten. Wenn ich nicht drüber nachdenke – weil ich sowieso gerade glücklich & zufrieden bin oder wirklich besseres zu tun habe – verkrafte ich das recht gut. Esse ich während einer eher deprimierten Phase auch nur einen Zuckerkram, sprießen die Pickel. Vorm, beim und nach dem Konsum habe ich in diesem Fall mir auch Gedanken um die bedenklichen Ingredientien gemacht und damit gerechnet (also meinem Körper zugebilligt), dass ich die unerwünschten Stoffe aufnehmen und meinem Gesicht wiedersehen werde ;-)

Mädels tun das bestimmt häufiger, weil sie sich bei jedem Brot sagen: „Das ist vielleicht schon zu viel, eigentlich darf ich nicht so viel essen, sonst nehme ich ja zu.“ Nudeln und sonstiges schlinge ich mittlerweile meistens herunter, ohne mir Gedanken zu machen über Menge etc. Ich warte einfach, bis während des Essens und Ablenkens (Lesen, Musik hören, Denken) einen physischen Widerstand in der Magengegend spüre.

Naja war mal so’ne Idee.

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